Kirchenvorstand Engerhafe reist erstmalig mit dem Gedenkstättenverein in die Niederlande. Eindrücke vom Besuch der Gedenkveranstaltung in Putten (NL)
Am Donnerstag, den 2. Oktober 2025, fuhren Katharina Herresthal und ich nach Putten in die Niederlande, um dort an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Razzia vom 2. Oktober 1944 teilzunehmen. Der KZ-Gedenkstättenverein Engerhafe hatte uns bereits mehrfach ermutigt, an dieser Veranstaltung als Vertreter der Kirchengemeinde Engerhafe teilzunehmen – um ein Zeichen der Verantwortung, Anteilnahme und des Respekts zu setzen. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg, denn wir wussten nicht genau, was uns erwarten würde. Doch schon bei unserer Ankunft im Gemeindesaal von Putten wurden wir herzlich willkommen geheißen. Die Menschen dort begegneten uns mit großer Offenheit und spürbarem Interesse. Es schien ihnen wichtig zu sein, dass Vertreter der Kirchengemeinde Engerhafe anwesend waren.
Die anschließende Gedenkfeier hat mich tief bewegt. Viele Gefühle haben mich überwältigt: Trauer, Mitgefühl, aber auch Dankbarkeit. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen an dieser Feier teilnahmen. Trotz der ernsten und schmerzlichen Erinnerung herrschte eine würdevolle und zugleich erstaunlich offene Atmosphäre.
Als Vertreter der Kirchengemeinde Engerhafe legten wir im Rahmen der Gedenkfeier einen Kranz nieder – in stillem Gedenken an die Opfer aus Putten, die unter anderem auch im KZ Engerhafe ihr Leben verloren. Dieser Moment war sehr bewegend und hat mir die enge historische Verbindung zwischen unseren beiden Orten noch einmal eindrücklich spürbar gemacht.
Das Zeremoniell war klar strukturiert und kam weitgehend ohne viele Worte aus – und gerade das verlieh der Veranstaltung eine besondere Kraft. Durch Musik, Schweigen und Symbole wurde der Opfer gedacht, und die Stille sprach mehr, als Worte es könnten.
Am folgenden Tag nahmen wir an einer vom KZ-Gedenkstättenverein Engerhafe organisierten Führung durch das ehemalige Lager Kamp Amersfoort teil. Dieser Besuch war keine leichte Kost. Die Eindrücke aus dem Lager, die Schilderungen der unmenschlichen Zustände und die sichtbaren Spuren des Leids haben mich erschüttert. Ich war tief betroffen von so viel menschlicher Grausamkeit gegenüber anderen Menschen. Dieser Ort machte auf eindringliche Weise deutlich, wozu Hass, Gleichgültigkeit und Machtmissbrauch führen können.
Der Besuch in Putten und in Kamp Amersfoort hat mich sehr beeindruckt und nachhaltig bewegt. Er hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen und Brücken der Verständigung zu bauen – über Grenzen hinweg. Ein besonderer Dank gilt zum einen dem KZ – Gedenkstättenverein Engerhafe, der uns ermutigt hat, an dieser denkwürdigen Veranstaltung teilzunehmen, und zum anderen den Gastgebern in Putten, die uns mit großer Herzlichkeit empfangen und durch ihre Offenheit gezeigt haben, dass aus der Erinnerung an das Leid auch Hoffnung, Vertrauen und neue Begegnungen entstehen können.
[Text: M. Bennmann]
Die Razzia von Putten hat mich schon immer fasziniert, insbesondere der Anlass dafür. Ein guter Grund, mich meinen Kollegen und Mitgliedern des Kirchenvorstands in Engerhafe anzuschließen, um am 2. Oktober in Putten an der bewegenden Gedenkfeier teilzunehmen und die Mitglieder des Vorstands der Stiftung Oktober 44 kennenzulernen.
Am nächsten Tag besuchten wir das Lager Amersfoort. Dieses Lager hat ebenfalls eine Verbindung zu Putten. Wir verbrachten zwei intensive Tage miteinander, an denen wir Ernsthaftigkeit und Geselligkeit miteinander verbanden.
Durch die Ausstellung der Gedenkstätte KZ Engerhafe erfuhr ich erstmalig, dass die Wehrmacht und SS am 2.10.1944 im Rahmen der „Razzia von Putten“ (Niederlande) 110 Häuser niedergebrannt und 601 Männer über das Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort ins KZ Neuengamme transportiert haben. Und dass von dort u.a. Männer aus Putten nach Engerhafe weitertransportiert wurden, wo 12 von ihnen starben. Somit hatte ich das Bedürfnis, am 2.10.2025 an der berührenden und respektvollen Gedenkveranstaltung auf dem Platz in Putten teilzunehmen, wo früher 5 Häuser standen, die von der SS niedergebrannt und danach nicht mehr aufgebaut wurden.
Die Razzia von Putten gilt nach wie vor als Tragödie für die ganzen Niederlande, da von den 601 Männern nur 48 Männer nach dem 2. Weltkrieg nach Putten zurückkehrten und davon noch 5 innerhalb weniger Tage starben. Somit starben von den 601 am 2.10.1944 verhafteten Männern insgesamt 545 Männer (540 in deutschen KZs; 5 kurz nach ihrer Rückkehr). Ihre Witwen und Waisen sowie die Menschen, deren Haus niedergebrannt wurde, mussten für den Rest ihres Lebens mit diesen schweren Verlusten weiterleiben. Da die 601 Männer nach Amersfoort transportiert worden sind, besichtigten wir am 03.10.2025 die Gedenkstätte des ehemaligen „Polizeilichen Durchgangslagers Amersfoort“ (Kamp Amersfoort) und durften dort an einer beeindruckenden Führung teilnehmen. Wir erhielten viele Informationen über den Umgang der SS-Aufseher mit den dort inhaftierten Menschen und einer Schwester vom Roten Kreuz, die durch ihre Hartnäckigkeit schließlich mit den Gefangenen im Lager leben und die Leitung übernehmen durfte.
Ich bin sehr dankbar, dass wir die Reise nach Putten zu siebt (2 Kirchengemeinde und 5 Verein Gedenkstätte) erleben durften. Sie wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
[Text: D. Harms | K. Herresthal | Fotos: K. Herresthal | Gedenkstätte Putten]